Ich bin Victor Travis …

… antwortet meine Heldin in NACHRUF AUF MEINE LEICHE, als sie nach einem Überfall aus der Ohnmacht erwacht. Erst ein erstaunter Blick des Arztes zeigt ihr, dass das nicht stimmen kann. Sie versucht es erneut, auch wenn sie sich kurz besinnen muss: „Florentina Owen …“

Ein Nicken des Arztes bestätigt ihr, dass das eher zu einem eindeutig weiblichen Wesen mit taillenlangen Haaren passt.

Florentina hat ihm ihr Autorenpseudonym genannt, das ihr weitaus näher ist, als ihr Taufname. Es ist der Name, hinter dem sie sich nicht nur verbirgt, es verkörpert weit besser als ihr Blumenname, was sich Leserinnen und Leser unter einem Thrillerautor vorstellen.

Pseudonym oder echter Name?

Tatsächlich habe auch ich gegrübelt, ob ich wirklich unter meinem eigenen Namen Bücher veröffentlichen sollte. Auch mir erschien ein männliches Pseudonym klüger.  Letztendlich riet mir meine Literaturagentin davon ab, mich zu verstecken. Da ich meist gesellschaftskritische Tabuthemen als Hintergrund meiner Geschichten verwende, sei es klug, dazu auch als Person zu stehen. Also war und bin ich einfach nur Inca Vogt.

Macht man sich angreifbar mit eigenem Namen?

Das frage ich mich zunehmend, wenn ich auf Facebook meine Meinung zu kritischen Themen abgebe. Es macht mich zuweilen zum Punchingball für Menschen, die das verkörpern, was ich mit meinen Stoffen bloßlege. Ja, meine Thrillerstoffe sind Fiktion, aber sie sind angelehnt an tatsächliche Aufreger und Tabuthemen. Aufreger, die mich auch oft persönlich antreiben. Nicht immer schaffe ich es, meine Klappe zu halten.

Bringt mir das am Ende schlechte Wertungen von Menschen, die einfach andere Meinungen vertreten?

Ich weiß es bis heute nicht. Habe aber schmerzhaft gelernt, wie es sich anfühlt, wenn ein Leser direkt droht, mich fertig zu machen. Wenn eine weibliche Leserin, die generell Frauen abspricht, Thriller schreiben zu können, ihre Häme über Bücher, die sie kaum angelesen hat, ausbreitet. Es ist hart. Unschön. Aber deshalb noch mal neu beginnen? Mit einem Pseudonym, das keiner kennt?

An vielen Tagen überlege ich das ernsthaft. Vielleicht ist deshalb ein Stück mehr von mir in mein aktuelles Buch eingeflossen als üblich.

Ja, meine Heldin in NACHRUF AUF MEINE LEICHE macht es besser als ich. Auch wenn sie es aus anderen Gründen tut, als ich oben angeführt habe. Für sie ist Victor Travis weit mehr als ein Pseudonym … weit mehr als nur Schutz.

Ihr wollt wissen, was sich dahinter verbirgt? Dann holt euch den Stoff, aus dem Thriller sind. Thriller, in denen wahlweise Frauen oder Männer tragende Rollen spielen. Urteilt selbst, ob ihr mit einem Scheinnamen, der amerikanisch oder skandinavisch klingt, besser und packender unterhalten werdet. Muss es wirklich immer ein Kerl sein, muss es immer ein amerikanischer Deckname sein, der euch den Stoff, aus dem spannende Unterhaltung besteht, vermittelt?

Männlich? Weiblich?

Unterscheiden sich männliche von weiblichen Autoren? Wisst ihr wirklich immer, wer sich hinter klangvollen Namen verbirgt? Macht der Name ein Buch glaubwürdiger, besser? Es gibt übrigens auch Männer, die unter Frauennamen Krimis schreiben. Umgekehrt gibt es etliche Frauen und Männer, die sich klangvolle, fantasievolle englische oder skandinavisch klingende Namen zulegen.
Und dann gibt es Typinnen wie mich … die in ihren Postings auf Facebook blöderweise kein schützendes Deckmäntelchen tragen, das sie vor Rückschlüssen zu den geschriebenen Büchern schützt.

Damit muss ich jetzt wohl leben.

Ürigens gibt es tatsächlich einen Unterschied. Zumindest zwischen mordenden Frauen und Männern: Frauen killen oft anders als Männer 🙂 Oder auch nicht. Also, Vorsicht. Nicht immer sind Giftmörder weiblich und Serienkiller männlich, es gibt gefährliche Überschneidungen. Das einzig verlässliche ist das Karma. Es erwischt jede und jeden. Früher oder später.

Auch das könnt ihr in TRAVIS 1, in NACHRUF AUF MEINE LEICHE nachlesen.

… Ihre Hände griffen automatisch zuerst nach der Zuckerdose. Dann öffneten sie ein anderes Fach, eins, das ganz hoch oben im Schrank war, damit Florentina nicht drankam. Es enthielt Arzneimittel und dieses Zeug, mit dem man Schädlinge im Haus bekämpfte. Kleine Nager und große Schädlinge, die sich an Kindern vergriffen. Man musste es genau dosieren, auf das Gewicht des Schädlings abstimmen.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.