Tick ich falsch?

Incavogt/ Dezember 19, 2015/ Aktuelles

Mein Arbeitsplatz für Mensch und Katz

Mein Arbeitsplatz für Mensch und Katz

Fragt mich gestern eine gute Freundin, warum sie Gebrannte Kinder nicht bei Thalia oder anderen Buchhändlern kaufen kann. Und was mache ich? Ich lache in mich hinein, und erkläre, wieso, weshalb und wie mein/e Buch/Bücher so ganz einseitig nur bei Amazon erhältlich sind.

Der Wichtigste: ich habe einen Hauptjob, und der ist Bücher schreiben.
Ob es dann nicht besser wäre, das einem Verlag zu überlassen?

Ja, und nein.

Ja, vielleicht kümmern sich andere besser um den Vertrieb. Aber da ich weder Fietzek noch Neuhaus heiße, wird mir das herzlich wenig helfen und mir weder den Aufwand für Marketing noch fürs Präsent sein in den sozialen Netzwerken ersparen. Zum einen. Zum anderen interessiert es mich nicht, ob ich mich jetzt Verlagsautorin nennen darf, und im Gegenzug meine Freiheit einbüße, das zu schreiben, was ich wirklich möchte.

Ich habe anfangs Zugeständnisse gemacht. Habe auf eigentlich wichtige Cliffhanger verzichtet, habe die ganz harten Szenen gestrichen, weil sie nicht mainstreamig genug seien. Und ich habe mir in einer Verlagsrunde … via Agentur, mit der ich sehr happy bin … sagen lassen, dass ich doch bitte mehr Regio, weniger Kindesmissbrauch, mehr Übliches, weniger Seiten ‚undwasweißichnochalles‘, schreiben möge. Vielleicht auch was mit Medizin, vielleicht auch was mit mehr ‚einfachem Krimi‘, was leichter liefe von deutschen Autoren, und überhaupt.
Im Resultat hatte ich dann erstmal eine mehrmonatige Schreibflaute und musste Wunden lecken. Ich schrieb ein Exposee nach dem anderen, füllte damit meine Schubladen und reicherte meine Zweifel an. Ich vergaß auch ganz schnell den einzig ermunternden Satz, den alle parat hatten: „Schreiben kann sie, gerne mit anderem Thema.“ Das half mir herzlich wenig.

Das Resutat kennt ihr 🙂 Es heißt Gebrannte Kinder und wurde letztendlich von mir selbst veröffnetlicht.

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Ein Tatortfoto vom Nachfolger

Weitere Folgen …

werdet ihr kennenlernen, umgesetzt in einem weiteren Band mit Toni Amato und einem erneut heftigen Thema.

Auch wieder ohne Verlag? Ja. Denn ich will einfach nur schreiben. Bücher, die unter die Haut gehen, die womöglich etwas anders sind, als das, was deutsche Autoren dürfen, sollen etc. Darf ich das? Ja, aber nur wenn ich anders ticke, wenn ich keinen Cent drauf gebe, ob es ein Verlagslabel auf meinen Büchern gibt. Die ungefähr sechs bis sieben weiteren Gründe für mein Andersticken erspare ich euch. Ich schreib lieber. Und ich veröffentliche auch nicht in dem Tempo, in dem man es uns Anderstickenden Selfies, Indies. Selfpublishern rät.

Das schaffe ich auch nicht. Denn in einem Punkt ticke ich doch wie so mancher Verlag es vorschreibt: ich überarbeite bis zum Umfallen, lasse lektorieren und arbeite nach, bis ich und meine Geburtshelfer sagen, besser geht es nicht. Und das braucht Zeit, die ich mir gerne nehme. Verbunden mit einem Fragezeichen: muss ich jetzt schon wieder so eine komplexe Geschichte erzählen. Muss es erneut ein Psychothriller mit mehreren verflochtenen Handlungssträngen sein?
Ja, im Moment ist das so.

Deshalb wird auch der Nachfolger von Gebrannte Kinder anders sein, komplexer sein als man deutschen Autoren rät.

Für mich zählt nicht, was ‚man‘ tun soll. Es gibt nur eine Vorgabe: Ich erzähle auch die nächste Geschichte, den nächsten Psychothriller von Toni und anderen liebgewordenen Protagonisten so, dass es für mich und hoffentlich auch für euch mit einem Stoßseufzer endet: „schade, dass es zu Ende ist.“ Und „gut, dass es einen weiteren Band geben wird.“ Ebenso komplex und vielschichtig, mit mehr als einer Geschichte, mehr als einem einfachen Handlungsstrang. Mehr als nur Mainstream, der sich vielleicht leichter verkauft, der sich aber auch einfacher schreibt, lektorieren und überarbeiten lässt.

Aber … vielleicht gibt es zur Entspannung, der anders tickenden Autorin Inca in diesem Jahr auch mal was Leichteres für Zwischendurch. Vielleicht freut ihr euch sogar, dass es mal nicht so heftig unter die Haut geht. Vielleicht seufzt ihr sogar beim direkten Nachfolger, der Anfang 2016 herauskommt, dass es diesmal um was ganz anderes geht. Obwohl? Einfacher mache ich es uns garantiert nicht. Freut euch also auf ein weiteres heftiges Thema.

Ich tick dann mal weiter. Anders.

Achja, ich wünsche euch wundervolle Weihnachtstage und habe Frau Holle eine Anfrage zwecks Schnee geschickt.

Ihre Antwort? Sie hat die alten Geschichten und Regeln satt und erfindet gerade eine neue Geschichte. Vom Winter, der ein wundervoller Herbst war. Von einer, die ihre Betten nicht ungefragt übers Volk ausschüttet, sondern sich überlegt, was in diesen Tagen sinnvoller ist als Schnee und Eis.

Ich zünde ein Kerzchen an für alle Flüchtlinge und schau mal, was sonst noch geht, um ihnen unseren harten Winter erträglich zu machen.

Bin ich vom Thema abgekommen? Na und. Wer anders tickt, darf das 😉

Schön, dass es euch gibt.

Danke, dass ihr hier mitlest, dass ihr mein Buch und hoffentlich weitere Bücher von mir kauft. Ihr erlaubt mir, das zu sein, was ich von ganzem Herzen möchte. Eine Autorin, die einfach nur schreibt, was ihr selbst, und hoffentlich auch euch, wichtig ist. Danke, dass es euch gibt.

Im Februar/März geht es weiter, mit einer Geschichte, die unter die Haut geht wie Gebrannte Kinder.

 

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Über incavogt

Inca Vogt lebt zwischen Stadt, Land und Schreibfluss; irgendwo in den Bergen zwischen Eifel und Moselland. Sie bezeichnet sich selbst als schreibendes Chamäleon, konzentriert sich aber inzwischen auf Bücher, die sie selbst am liebsten liest. Auf Thriller, die wachhalten, unterhalten und nachhalten. Ihr erster Psychothriller GEBRANNTE KINDER erschien am 19. Dezember 2014 in einer Kindl-Ausgabe. Die Printausgabe folgte Anfang Februar 2015. Die ersten redaktionellen Sporen verdiente sich die Werbetexterin mit Studien-Abschluss an der Akademie für Marketing und Kommunikation in großen Agenturen zwischen Hamburg und Frankfurt. Frankfurt ist auch der Dreh- und Angelpunkt ihres ersten Psychothrillers 'Gebrannte Kinder'. Eine kantige wie liebenswerte Stadt - so schlaflos wie die Autorin, wenn sie mitten in einem Schreibprojekt steckt.